Körpertherapie  

Was sind Entwicklungstraumata?

Entwicklungstraumata- eine tiefe Verletzung aus der Kindheit

Noch heute wird in unserer Gesellschaft unter dem Begriff Trauma vor allem eines verstanden: die psychischen und physischen Folgen durch ein singuläres Ereignis von lebensbedrohlichen Ausmaß, wie z.B. einen Unfall oder durch Katastrophen.

Zunehmend wird diese Definition jedoch in der fachlichen Diskussion - neben dem oben beschriebenen Schocktrauma - um das sogenannte Entwicklungstraumata erweitert, auch Bindungs- bzw. Kindheitstraumata genannt.

Diese neue Sichtweise ist insofern immens wichtig, indem sie multiple Verletzungen aus der Kindheit ganz deutlich aus einer lange diffusen und klinisch vernachlässigten "Ecke" holt und klar als das definiert, was sie für kleine Kinder sind, "traumarisierend".

Somit sind heute vermutlich weit mehr Teile unser Gesellschaft traumatisiert, als wir es für möglich halten. Dami Charf, eine deutsche Therapeutin, Bloggerin und Expertin auf diesem Gebiet, nennt es auch "die verborgene Epidemie".

Was genau versteht man unter einem Entwicklungstrauma?

Doch ganz von vorne: Was meint Entwicklungstraumata genau? Es handelt sich um frühe, anhaltende Bindungsverletzungen aus der Kindheit, dich sich negativ auf die psychische und emotionale Entwicklung des Kindes auswirken und die Lebensqualität bis in das Erwachsenenalter hinein - oft unbewusst - massiv beeinflussen können.

Die Ursachen können verschiedene sein, wie beispielsweise Vernachlässigung, fehlende emotionale Wertschätzung, verbale und/oder physische Gewalt oder unvorhersehbare Lebensereignisse und ihre Folgen für das Kind (z.B. Trennung, Krankheit)

Es braucht jedoch keine massiven Ereignisse, um ein Entwicklungstrauma auszulösen. Oft ist es bereits traumatisch, wenn ein Kind von seinen Bezugspersonen nicht ausreichend liebevolle Aufmerksamkeit, emotionale Zuwendung und bedingungslose Wertschätzung in der Kindheit erhält. Denn ein kleineres Kind ist zu 100% abhängig und braucht den zugewandten, einfühlsamen und eingestimmten Kontakt mit seinen Bezugspersonen, um sich gut zu entwickeln.

Indem Idealfall beachten Mutter und Vater die Emotionen ihres Kindes, sie spiegeln diese, wirken beruhigend auf das Kind ein, regulieren es - dies nennt man Co-Regulation. Nur durch Co-Regulation können sich die entwickelnden Stressregulationssysteme des Kindes optimal entwickeln und es erlernt die Fähigkeit sich selbst zu beruhigen (Selbstregulation). 

Darüber hinaus lernen wir durch Co-Regulation uns in der Welt sicher zu fühlen, uns selbst zu verstehen und zu akzeptieren. Werden wir in solchen sensiblen Momenten oft allein gelassen, bestraft oder sogar weg geschickt, können sich diese wichtigen Fähigkeiten nicht oder nicht ausreichend ausbilden. Wir fühlen wir uns  selbstunsicher und bauen ein negatives Selbstbild auf.

Eine Blaupause für das Leben

Das allgemeine Selbstbild und das Selbstwertgefühl, aber auch die Einstellung zum Leben werden also in der Art, wie wir das Leben erfahren, vor allem in den frühen Entwicklungsphasen der Kindheit gebildet. Diese Erfahrungen, prägen uns für das gesamte Leben wie eine Blaupause.

Noch im Erwachsenenalter basieren hierauf Schwierigkeiten, negative Emotionen und Stress zu regulieren, selbstfürsorglich zu sein, sichere Bindungen aufzubauen oder sich im Alltag sicher zu fühlen.

Meines Erachtens sind Entwicklungstraumata häufig die Ursache für eine Vielzahl an psychischen Störungen, die im ICD 10 und 11 aufgeführt sind, wie z.B. Depressionen oder Angststörungen. Im Rahmen einer traumsensiblen Therapie ist es somit notwendig, nicht (nur) die Folgen in das Zentrum der Behandlung zu stellen - also die psychische Störung, sondern vielmehr auch die Ursache.

Vernachlässigung schafft schwere Verletzungen in der kindlichen Psyche

Wie merkt man ein Entwicklungstraumata?

Viele von uns können sich nicht an die Ereignisse in der frühen Kindheit erinnern oder haben nur verschwommene Bruchstücke vor Augen, wenn es darum geht, sich in diese Zeit zurückzuversetzen. Gerade aus diesem Grund, sind viele Erwachsene der Meinung, eine gute Kindheit gehabt zu haben, da die Erinnerungen an diese für einen Menschen prägendste Zeit fehlen.

Aber auch wenn wir uns nicht bewusst an unsere frühe Kindheit erinnern, ist diese ein wesentlicher Bestandteil unserer selbst. Unser Körper, unser Nervensystem und unser emotionales Gedächtnis erinnern sich implizit - das heisst unbewusst.

Diese Erinnerungen zeigen sich z.B. durch die automatischen Reaktionen im Körper, die wir bemerken können, wenn wir ein einschneidendes Ereignis aus der frühen Kindheit erzählt bekommen, oder wenn wir Momente erleben, die uns unbewusst an frühere Verletzungen erinnern.

Die Geschehnisse und Erlebnisse, die wir in dieser Zeit gesammelt haben, leben als unbewusste Reaktionen und Handlungsmaximen in uns weiter und beeinflussen unser Leben auf eine nicht unerhebliche Art und Weise.

Folgen von autoritärer, wenig bedürfnisorientierter Erziehung

Der lange Zeit in unserer Gesellschaft stark verwurzelte und durch die Zeit des Nationalsozialismus und davor geprägte, autoritäre und wenig bedürfnisorientierte Erziehungsstil hat zu vielfältigen Bedingungen für Entwicklungstraumata geführt und wirkt noch bis heute nach. Er zeigt sich, in dem Babies und Kinder:

  • wenig getragen werden und wenig Körperkontakt erhalten (Stichwort: nicht verwöhnen)
  • auf ihre Kontaktsuche nach Nähe, Beruhigung und Schutz gar keine oder eine wenig zugewandte oder beschämende Reaktion erhalten
  • zu schnell im eigenen Bettchen und Zimmer schlafen lernen sollen (Schlaftraining)
  • als fordernde, "tyrannische" Wesen gesehen werden, die es früh "zu erziehen" gilt durch Strenge und Disziplin
  • nicht nach Hungerbedürfnis, sondern strikt nach der Uhr gefüttert werden
  • lange Trennungen von Bezugspersonen erfahren, z.B. durch Aufenthalt auf Frühchenstation, oder allein im Krankenhaus

Fakt ist, dass Babies und Kleinkinder für ihre gesunde Entwicklung in enormen und prägenden Maße auf Schutz, liebevollen Kontakt und Nähe angewiesen sind. Werden ihre Rufe oft nicht erhört, dann wandelt sich dies zunächst in Empörung und Wut, um dann irgendwann zu verstummen.

Die Aggression wird unterdrückt, bleibt jedoch im kleinen Körper fortan gespeichert und wendet sich oft gegen sich selbst. Das Kind zieht sich in sich zurück und stoppt es, um das Überlebens willens, seine eigene Bedürftigkeit zu zeigen. Nach aussen können diese Kinder pflegeleicht und gut erzogen wirken, doch zu einem hohen Preis.

Tragischerweise waren und sind vielen Eltern sich der wirklichen Bedürfnisse eines Babies und Kleinkindes und der Auswirkungen eines bindungsarmen Erziehungssstils leider nicht bewusst.

Oft werden natürliche Instinkte unterdrückt, um einer gesellschaftlichen Ideal zu erfüllen - das des pflegeleichten und angepassten Kindes, sodass Kinder nach "besten Gewissen" behandelt werden. Dies mindert jedoch nicht die Auswirkungen für das Kind und die Notwendigkeit, ab einem gewissen Punkt hierfür die Verantwortung (nicht die Schuld) zu übernehmen. 

Aber auch ein überfürsorglicher und die gesunde Autonomie des Kinder zu sehr einschränkender Erziehungsstil kann sich negativ auf die Entwicklung auswirken und entwicklungstraumatisch sein. 

Verbindung schafft in der Kindheit die Grundlage für eine gesunde Psyche und Leichtigkeit

Folgende Fragen können helfen (in Rücksprache mit den Eltern) zu erforschen, ob ein Entwicklungstraumata aus der Kindheit vorliegt:

  • Wie verlief die Schwangerschaft und die Geburt?
  • Wie war die Zeit nach der Geburt und die ersten Lebensjahre?
  • Wie war ich als Baby und Kleinkind?
  • Wie sind meine Eltern mit mir umgegangen, z.B. in emotionalen Momenten der Wut oder Angst? Waren sie für mich zugewandt da, wenn ich sie brauchte oder eher nicht? 
  • Was hat mir Freude bereitet?
  • Gab es einschneidende Ereignisse (Krankheit Mutter, Geburt Geschwisterkind, Krankheit Kind, Jobverlust Eltern etc.)

Ein tieferes Verständnis für die prägenden Auswirkungen aus dieser Zeit, hilft enorm sich selbst zu verstehen und sich wohlwollender zu begegnen.

Denn es liegt oft sehr viel Selbstabwertung und auch Hass darin, keine Erklärung für die eigenen Probleme zu haben und sich selbst daher die Schuld dafür zu geben ("Ich bin falsch und fehlerhaft").

Symptome & Anzeichen eines Entwicklungstraumatas

Liegt ein Entwicklungstrauma vor, welches das kindliche Selbstbild beeinträchtigt hat, sind die Folgen im Erwachsenenalter deutlich im Alltag spürbar, ihre Hintergründe jedoch oft unbewusst.

Typische Anzeichen und Symptome für ein Entwicklungstrauma lassen sich oft am Verhalten des Erwachsenen im Hier und Jetzt - z.B. durch einen geübten Therapeuten - erkennen:

Verletzung, Misshandlung und Missachtung in der Kindheit rauben Lebendigkeit durch Trauma

Folgenden Themen können auf ein Entwicklungstraumata hinweisen:

  • eine sehr hohe oder zu niedrige Grundanspannung im Körper
  • eine geringe Stresstoleranz und Resilienz
  • eine hohe Verkopftheit und Gedankenrasen
  • Gefühl der Einsamkeit und des Andersseins> "Ich bin allein", "Ich bin komisch"
  • geringe Anbindung an den eignen Körper und die Emotionen
  • hohe Leistungsbereitschaft
  • starke Emotionalität bis hin zu Hochsensibilität
  • fehlende Lebensfreude
  • geringes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl
  • Überangepasstheit (geringe Fähigkeit zur Selbstbehauptung)
  • Bindungsprobleme> Probleme sich vertrauensvoll an die richtigen Personen zu binden
  • Angst vor Ablehnung
  • Erschöpfung und Schlafstörungen
  • chronisch körperliche und psychosomatische Probleme (Autoimmunerkrankungen, Verspannungen, chronische Schmerzen, etc.)

Entwicklungstraumata und Schocktraumata können sich wechselseitig bedingen, da ein Mensch mit entwicklungstraumatischem Hintergrund bei einem singulären Ereignis von lebensbedrohlichem Ausmaß verletztlicher (vurnerabler) ist, ein Schocktraumata zu erleiden.

Ein Entwicklungstraumata werden oft über viele Generationen unbewusst übertragen, wenn der Erziehungsstil der Eltern unreflektiert von den Kindern im späteren Leben adaptiert wird.

Entwicklungstrauma und Bindungstrauma – worin besteht der Unterschied?

Die Begriffe Entwicklungstrauma und Bindungstrauma werden häufig als Synonym verwendet. Dabei ist die gleichbedeutende Verwendung beider Begriffe nicht ganz richtig. Ein Bindungstrauma ist oft ein Bestandteil eines Entwicklungstraumas.

Das Bindungstrauma entsteht, wenn im Kindesalter eine sichere und zuverlässige Bindung an Bezugspersonen erschwert wurde oder nicht möglich war. Den Betroffenen fällt es später besonders schwer, sich auf andere Menschen einzulassen und eine Beziehung einzugehen. Das Fundament der sicheren Bindung ist die Basis, um auch später komplexe Situationen meistern zu können.

Ein Entwicklungstraumata umfasst darüber hinaus auch einschneidende Belastungen in den ersten Lebensjahren für die Familie und ihre Folgen für das Kind in der Zeit danach (Krankheiten der Eltern, Arbeitslosigkeit der Eltern, Frühgeburten, Krankenhausaufenthalte, Geburt der Geschwisterkindes, Todesfälle, etc.).

Traumatherapie hilft Entwicklungstraumata zu verarbeiten

Entwicklungstraumata und das autonome Nervensystem

Die ersten Lebensjahren prägen unser autonomes Nervensystem und unsere Stressregulationssysteme -  Gehirn, Hormonsystem und autonomes Nervensystem - grundlegend, da sie nach der Geburt noch unfertig sind und vor allen in den ersten drei Lebensjahren nachreifen (mehr Informationen zum autonomen Nervensystem hier).

Erfahren wir hierbei nun wenig sichere Bindung durch unsere primären Bezugspersonen, hat dies vielfältige Auswirkungen. Unser autonomes Nervensystem lernt die Umgebung als potentiell unsicher reinzurufen und scannt die Umgebung viel intensiver nach Gefahr, als bei einem Menschen ohne entwicklungstraumatischen Hintergrund. Zugleich wird das System viel schneller in Alarmbereitschaft versetzt.

Die Überlebensstrategien

Bei Gefahr versucht das autonome Nervensystem dann, Sicherheit über unsere Überlebensstrategien Kampf, Flucht oder Immobilisierung langfristig herzustellen. Da wir aber gegen unsere Eltern als Kinder nicht real kämpfen oder vor ihnen flüchten können, da wir in unserem Überleben von ihnen zentral abhängig sind, geschieht dies in abgewandelter, angepasster Form:

Es kann bedeuten, dass Kinder z.B. sehr autonom werden, ihre Emotionen für sich behalten und sich oft in Traumwelten zurück ziehen und viel alleine bewältigen (Flucht nach innen), dass sie sich verloren fühlen, sich den Erwartungen anderer unterwerfen und resignieren (Immobolisierung oder auch Fawn Reflex) oder über erkämpfte Leistungen oder auffälliges Verhalten versuchen in Kontakt zu treten (Kampf). 

Die abgewandelten Bewältigungsstrategien Kampf, Flucht oder Immobilisierung, die uns schützen sollen, führen sich dann unbewusst bis in das Erwachsenenleben fort. Auch Mischformen der Strategien sind bei Kindern und Erwachsenen möglich.

Mangel an Co-Regulation und Fähigkeit zur Selbstregulation

Unser System für Sicherheit und Verbundenheit im Kontakt mit Menschen, der ventrale Vagus, kann sich unter diesen Bedingungen in der Kindheit nicht ausreichend entwickeln. Warum? Als Kind brauchen wir hierfür erwachsene Menschen, die uns co-regulieren.

Fehlt dieser Kontakt, kann es uns schwer fallen, uns selbst  zu beruhigen und uns und der Welt zu vertrauen. Wie schon erwähnt, nennt man den Prozess der Beruhigung und Regulation des Nervensystems durch ein Gegenüber Co-Regulation, durch den wir die Fähigkeit erlernen, uns selbst zu regulieren. 

Die gute Nachricht: Sowohl die Fähigkeit zur Selbst- als auch zur Co-Regulation gehen nie verloren, auch wenn sie nicht richtig in der Kindheit entwickelt wurden. Sie können im Kinder- und Erwachsenenalter jederzeit durch heilsame, harmonische Beziehungen und durch traumasensible Therapie "nachgenährt" und gezielt gestärkt werden.

Für die Aufarbeitung von Entwicklungstraumata ist daher wichtig, dass es eine verlässliche Co-Regulation durch den Therapeuten gibt und so die Fähigkeit zur Selbstregulation gestärkt wird.

Darüber hinaus erlernen wir Selbstregulation, in dem wir uns im Alltag insbesondere bei Stress- und Triggersituationen aktiv selbst zu beobachten und beeinflussen, wenn dies notwendig ist, z.B. durch eine tiefe Ausatmung oder durch Orientierung. Das Nervensystem eines Menschen kann so lernen, Stück für Stück nicht mehr so schnell in Überlebensmuster zu verfallen und immer leichter in einen entspannten und ruhigen Zustand zurück zu kehren. Hierzu gibt es vielfältige Übungen. 

Trauma aus der Kindheit in Traumatherapie beandeln

Entwicklungstraumata in der Therapie

Verbindet unser Körper beispielsweise aufgrund eines Entwicklungstraumatas bestimmte Situationen mit Gefahr, tritt das Gefühl der Unsicherheit auf. Selbst wenn wir uns in diesem Moment nicht bewusst unsicher fühlen, greift der jeweilige Schutzmechanismus von unserem Körper.

Oft besteht Unverständnis, Ohnmacht, Schuldgefühl oder Wut beim Betroffenen über die eigenen impulsiven Alltagsreaktionen. Mit dem Wissen, dass diese Reaktionen durch unser Nervensystem ausgelöst werden und aus biologischer Sicht sinnvoll sind, wird Mitgefühl für das eigene Verhalten möglich.

Zur Bewusstmachung und Veränderung dieser tief verwurzelten, unbewussten Muster und Abläufe im Körper ist vor allem die körperorientierte Therapie bei der Heilung von Entwicklungstraumata dienlich.

Psychoedukation und innere Beobachtung 

In der körperorientierten Therapie wird daher über Psychoeduktion zunächst ein Verständnis über Entwicklungstraumata generell, für unsere individuelle Entwicklungsgeschichte und das Zusammenspiel mit dem autonomen Nervensystem geschaffen.

Anschließend wird behutsam gemeinsam untersucht, welche Überlebensstrategien (Kampf, Flucht, Immobilisierung) im Alltag bei uns auf Basis der Kindheitserlebnisse durch die unbewussten Reaktionen unseres Nervensystems aktiv sind und was ihr Nutzen ist.

Über die innere Beobachtung kann es neben dem tieferen Verständnis zu einer Annahme der eigenen Verhaltensweisen kommen, die ursprünglich schützen sollten. Über dieses tiefere Bewusstsein, die Selbstannahme und die Befriedung uns selbst, wird Stück für Stück Heilung möglich. 

Nachnähren durch Co-Regulation

Der Therapeut sollte zudem im gesamten Therapieprozess einen sicheren Raum für uns herstellen (Co-Regulation), in dem er stets ein verlässliches, emotional zugewandtes und vertrauensvolles Gegenüber bietet und unser Nervensystem co-reguliert. Man sagt, er "nährt" eine sichere Bindung nach, die in der Kindheit fehlte. Dies aktiviert und stärkt das System für Sicherheit und Verbundenheit. Erst wenn das autonome Nervensystem die Umgebung als sicher einstuft, ist es überhaupt möglich, dass therapeutische Interventionen ihre komplette Wirkung entfalten. Ist eine positive Atmosphäre geschaffen, sind die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie gegeben.

Partnerschaft mit dem Körper

Gleichzeitig üben wir im Prozess, wohlwollend und zugewandt mit unserem Körper in Beziehung zu gehen, für ihn Verantwortung zu übernehmen und uns zu "befreunden". Dies ist ein wichtiger Prozess, da Entwicklungstraumata uns von unseren Emotionen und Körperreaktionen abspalten können, da sie in der Kindheit überwältigend waren. 

Übung von Selbstregulatuion

Durch das Erlernen passender Übungen zur Selbstregulation des Nervensystems in der Therapie (z.B. Orientierung, Atmung, Bewegung, Self Havening), können wir im Alltag lernen Stück für Stück uns in Triggersituationen für einen Moment "raus zu nehmen" und es zu beeinflussen. Hierdurch können wir immer bewusster entscheiden, wie wir handeln und unser Leben gestalten wollen. Wir kommen so langsam in die Selbstermächtigung und beginnt immer mehr zu agieren, statt unterbewusst zu reagieren. 

Containing und Stabilisierung

Zudem werden im Prozess aufkommende Gefühle der Wut und Trauer über die Herkunftsgeschichte - wenn wir dazu bereit sind - vom Therapeuten sicher und wertschätzend gehalten (Containing) und traumasensibel begleitet. Dies kann zu einer Erleichterung von traumatischen, lange gespeicherten Energien im Körper führen, die das Hier und Jetzt dann Stück für Stück nicht mehr unbewusst bestimmen müssen. 

Hierzu ist im Vorfeld eine ausreichende Stabilisierung notwendig, z.B. über die therapeutische Bindung zu unserem Therapeuten und über die Befreundung mit dem Körper & Nervensystem, die Integration von haltgebenden Tools und die  Festigung freudvoller Aktivitäten und Beziehungen in unserem Leben (Ressourcen).

Eine neue innere Haltung

Zudem ist ein weiterer Schritt unsere innere Haltung mit der Zeit neu auszurichten, ausgehend von unseren Überlebensstrategien und deren inneren Anteilen hin zu unser inneren Wunschhaltung und deren Anteilen  (Wünsche, Träume, Leidenschaften, Visionen). 

Heilung von Entwicklungstraumata - ein komplexer, aber lohnenswerter Prozess

Dieser Prozess der Heilung von Entwicklungstraumata behaltet noch viele weitere therapeutische Methoden und Elemente, ist komplex und gewiss kein "Quick Fix". Er ist ein individueller Weg, der unbedingt unseren Mut und Willen zur Veränderung braucht. Ein Weg der sich aber lohnt und ein authentischeres, friedlicheres und selbstbestimmteres Leben Stück für Stück für uns ermöglichen kann.

Über mich

Hi, ich bin Sonja Elmas, Körpertherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ich bin davon überzeugt, dass das Bewusstsein über Entwicklungstraumata und die therapeutische Arbeit mit dem Körper und dem Nervensystem der Schlüssel ist, um psychisches Leiden zu lindern und wieder in tieferen Kontakt mit uns selbst zu kommen. Daher freue ich mich, dir diese Themen in diesem Artikel hoffentlich etwas näher gebracht zu haben.

In meiner schönen Praxis in Hamburg Sasel biete ich zudem eine zugewandte und herzliche körpertherapeutische Begleitung an.


Sonja Elmas

Über die Autorin:

Sonja Elmas

Als Heilpraktikerin für Psychotherapie und Psychologische Beraterin ist es mein Herzensanliegen, dich dabei zu unterstützen, Wege aus dem chronischen Stress zu finden – zurück zu dir.

Ich lebe mit meiner Familie – meinem Mann und zwei wunderbaren Jungs – in einem kleinen Haus am östlichen Hamburger Stadtrand in Rahlstedt.


Hier erfährst du mehr über mich.